Strompreis: was wirklich drin steckt

Steht die EEG-Umlage fest, wird der Preis fürs kommende Jahr definiert? Stimmt nicht ganz, sagt Energiehändler Johannes Gösling.

KEMPTEN/AUGSBURG/HEIDENAU, 16. Oktober 2017. Alle Jahre wieder meldet die Bundesnetzagentur im Oktober als oberste Strompreiswächter die Höhe von Abgaben und Umlagen für das folgende Jahr. Zwei von fünf Umlagen stehen mittlerweile fest: Die EEG-Umlage sinkt für das kommende Jahr leicht um 1,3 Prozent auf 6,79 Cent pro Kilowattstunde Strom. Die Offshore-Umlage für die Finanzierung der Stromanschlüsse von Windparks auf dem Meer steigt auf knapp 0,04 Cent nachdem es 2017 für die Verbraucher Geld zurückgab. „Zumindest rein rechnerisch“, erklärt Johannes Gösling. Er ist Geschäftsführer von PRÄG Energie, einem mittelständischen Energiehändler, der neben Erdgas, Holzpellets und Mineralöl auch Strom in Bayerisch-Schwaben, Thüringen und Sachsen vertreibt.

Die EEG-Umlage ist gefallen. Sinkt jetzt der Strompreis für Verbraucher?

Gösling: Das lässt sich so einfach nicht sagen. Die EEG-Umlage reduziert sich um 0,17 Cent pro Kilowattstunde. Ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt würde im Jahr also knapp 6 Euro sparen. Aber die EEG-Umlage ist nur einer von insgesamt 9 staatlichen Preisbestandteilen – Steuern mit eingerechnet. Um verlässliche Aussagen treffen zu können, müssen vor allem die Netzentgelte feststehen. Das ist quasi die Strom-Maut, die für die Durchleitung des Stroms zum Verbraucher fällig wird. Die Übertragungsnetzbetreiber – also die Betreiber der Stromnetz-Autobahnen – haben die Entgelte für 2018 bereits bekannt gegeben: Bis zu 45 Prozent steigen diese an. Jetzt kommt es darauf an, in welchem Gebiet welche Entgelte auf Ebene der Verteilnetze gelten – das entspricht den Landstraßen. Stehen alle Bestandteile fest, kann der Stromlieferant kalkulieren und entscheiden, ob er seine Preise anpasst. Mittelfristig hängt die Entwicklung des Strompreises  auch davon ab, wie die neue Bundesregierung den Energiemarkt gestaltet und ob sie etwas zur Entlastung der Verbraucher unternimmt.

Wie entwickelt sich der Börsenpreis?

Gösling: Der Börsenpreis ist in den letzten Monaten gestiegen, deshalb sinkt auch die EEG-Umlage 2018. Denn diese hat den Zweck, die Lücke zwischen der garantierten Einspeisevergütung für Wind- und Solaranlagen und dem Handelspreis für Ökostrom an der Börse zu schließen. Der Börsenpreis war in den letzten Jahren extrem niedrig: Die Kosten für die konventionelle Produktion waren dabei höher als der Erlös. Grund war der Vorrang, den der Gesetzgeber Ökostrom einräumt. Jetzt erleben wir ein Stück weit Normalisierung.

Wieso verfehlen wir in Deutschland trotz Energiewende das Klimaschutzziele?

Gösling: Dass Deutschland sein Ziel, bis 2020 rund 40 Prozent weniger Kohlendioxid – kurz CO2 – auszustoßen, verfehlen wird, überrascht mich nicht. Energiewende wird oft mit Atomausstieg gleichgesetzt, das ist eigentlich nicht richtig. Der Atomausstieg hat leider zu Fehlanreizen in Sachen Klimaschutz geführt. Weil Atomkraftwerke, die kein CO2 ausstoßen, abgeschaltet werden, springen aktuell bestehende Kohlekraftwerke ein, die viel COemittieren. Unterm Strich steigt also aktuell der CO2-Ausstoß. Wir brauchen Kraftwerke, die unabhängig von Sonne und Wind die so genannte Grundlast sichern. Hier ist die Politik gefordert, wenn sie ihre Ziele ernst meint!