Stein in der Brandung

Ein Mann, der Gas und Strom von Präg bezieht, der charakterlich aber vor allem eines ist: kompromisslos. Das ist Steinmetz Hermann Rudolph, wenn es um Qualität und Einzigartigkeit geht. Widersprüchlich dazu ist sein Einfühlungsvermögen - in seinem Beruf eine unverzichtbare Eigenschaft.
Text Isabelle Gassama

„Qualität ist der stärkste Feind jeder Art von Vermassung.“ Das schrieb einst Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer. An diesem Herbstnachmittag kommt der Satz aus dem Mund eines Mannes mit gemustertem Hemd und hellblauer Brille, der hinter einem steinernen Tisch sitzt. Hermann Rudolph ist Steinmetz in Obergünzburg, einer, der noch auf Handarbeit, Unikate und eigene Schriften setzt. Die Steinverarbeitung sei gefragt, immerhin schlummert in ihr ein Stück Unendlichkeit. Doch würden die meisten Betriebe Maschinen einsetzen, Massenfertigung betreiben. „Die qualitätvolle Verarbeitung bleibt unser Gebiet“, sagt Rudolph. 

Beim Gestein legt er Wert auf Nachhaltigkeit. Sinnlos ist es seiner Ansicht nach, Steine rund um Welt zu chauffieren. Deswegen verarbeitet der 52-Jährige fast nur europäisches Material. Stein aus China verweigert er aus Prinzip, auch wenn er damit manchen Kunden vergrault. Das Geschäft, so Rudolph, müsse das verschmerzen. „Mir ist ein sorgsamer Umgang mit dem Naturprodukt Stein wichtig“, erklärt der Geschäftsführer. Und fährt fort: „Ich weiß, wie viel Manpower es braucht, um so einen Steinbrocken aus dem Berg zu holen.“ Binnen kürzester Zeit wird klar: Hermann Rudolph ist ein Mann mit klaren Werten – und die stößt er niemandem zuliebe um.

Gegründet wurde der Steinmetzbetrieb in Obergünzburg 1872 von den Zwillingsbrüdern Hermann und Ferdinand Rudolph. Der heutige Leiter ist die fünfte Generation dieser Steinhauerdynastie. Talentiert sollen die Nachkommen alle gewesen sein. Das größte Talent habe die Familie allerdings verloren. Der Großvater war im Krieg gefallen. Ein Platz an der Kunstakademie war ihm schon zugesichert worden. Kein Wunder, hätte er doch mit zehn Jahren schon ein Stillleben gemalt, das jeden Erwachsenen vor Neid erblassen lassen würde. 

EINE MAMMUTAUFGABE
Mag Hermann Rudolph vielleicht seiner Meinung nach das letzte Quäntchen Naturtalent fehlen, um mit dem Großvater gleichzuziehen, steht doch eines außer Frage: Er führt sein Unternehmen mit Erfolg und Eifer. Bestes Beispiel dafür war die Mammutaufgabe „Wandertrilogie Allgäu“, für welche der Sieben-Mann-Betrieb alle Natursteinelemente fertigte. Eine Zusatzbelastung, die zur gewöhnlichen Arbeit hinzukam und die neun Monate in Anspruch nahm. Schlaflose Nächte inbegriffen. „Aber ich konnte mit Designern und Planern zusammenarbeiten, das war wahnsinnig abwechslungsreich“, schwärmt Rudolph und hat den Schlafmangel wohl längst vergessen. Denn: Man wächst an seinen Aufgaben.

Was aber wäre die Steinmetzkunst ohne Schrift? Asche und Staub, geht es nach dem Geschäftsführer. Schließlich drücke das Schriftbild Persönlichkeit aus und sei somit von elementarer Bedeutung für die Steinkunst. Generell wäre maschinelle Schrift in seinem Gewerbe Regel statt Ausnahme. Bei Hermann Rudolph stößt das auf Unverständnis, ist der Mensch doch das einzige Lebewesen auf Erden, das dazu fähig ist, etwas so aufzuschreiben, dass ein anderer Mensch es lesen kann. „Aber heute wischt man nur noch herum“, kritisiert der Steinmetz den übermäßigen Smartphonegebrauch.

Im wahrsten Sinne des Wortes steinhart ist das Arbeitsmaterial von Hermann Rudolph und doch benötigt er für seine Haupttätigkeit statt roher Muskelkraft Einfühlungsvermögen, ja fast schon seelsorgerische Fähigkeiten. Was der Steinmetz nämlich am häufigsten fertigt sind Grabzeichen. Und jedes von ihnen soll eine Geschichte erzählen. Ein Denkmal für die Hinterbliebenen werden, das dem Verstorbenen in jeder menschenmöglichen Art gerecht wird. Es scheint eine schwierigere Aufgabe als zig Wandertrilogien zu sein. Aber für Rudolph ist es eine Herzensangelegenheit, sie zu meistern. „Diesen Weg mit meinen Kunden zu gehen, ist meine Philosophie und Aufgabe“, ist der Steinmetz überzeugt.

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KUNDE ODER KÜNSTLER?
Sobald sich die anfängliche Überforderung mit der Situation beim Kunden gelegt hat, beobachtet Rudolph bei einigen erstaunlich viel Eigeninitiative. „Plötzlich fangen sie selbst an, zu zeichnen, machen eigene Entwürfe“, erzählt er. Paradebeispiel ist eine Kundin, die sich extra eine Woche Urlaub nahm und jeden Tag von früh bis spät an Hermann Rudolphs Seite in der Werkstatt stand, um am Grabzeichen ihres verstorbenen Mannes mitzuarbeiten. Ob das den Profi nicht nervt? Nein. Schließlich wird der Weg zusammen begangen. Immer. 

www.steinmetz-rudolph.de