Akt-Parade im eigenen Garten

Der ehemalige Grundschullehrer und unser Stromkunde Gerd Münnich fertigt Frauenskulpturen nach realen Vorbildern. Was ihn dazu gebracht hat, erzählt er uns im Gespräch
Text Anne-Sophie Schuhwerk
Fotos Katja Fouad-Vollmer

Wenn Gerd Münnich aus Schkeuditz bei Leipzig durch seinen weitläufigen Garten spaziert, blicken ihn aus fast jeder Richtung nackte Damen an. Denn der 76-jährige Grundschullehrer im Ruhestand formte drei Jahrzehnte lang lebensgroße Skulpturen unbekleideter Schönheiten. Dabei hat er die Bildhauerei nie gelernt. Schritt für Schritt wagte er sich an immer aufwendigere Plastiken heran. „Es begann damals mit kleinen Figuren meiner Deutschen Doggen, die ich unbedingt verewigen wollte“, erinnert er sich. Doch schnell wurde ihm klar, dass die schönsten Lebewesen nun einmal Frauen sind. „Ich schaute mir die Aktbilder im Magazin an und wagte mich dann an die ersten Skulpturen. Tonplastiken schieden aus, da ich keinen Brennofen besaß.“ 

Doch Gerd Münnich hatte einmal ein paar Semester Bauwesen studiert – der Umgang mit Baustoffen und Beton war ihm daher durchaus vertraut. Nach vielen Experimenten fand er schließlich eine optimale und ausreichend haltbare Mischung. Die Materialfrage war also gelöst, so blieb ihm nur noch die Suche nach geeigneten Modellen. „Meine erste große Skulptur war meine Frau, sie gibt es mittlerweile in drei verschiedenen Versionen.“ Weitere geeignete Kandidatinnen suchte er sich kurzerhand am FKK-Strand des Kulkwitzer Sees in Leipzig. „Die Damen habe ich meist gemeinsam mit meiner Frau oder meiner Tochter ausgewählt und konnte sie mit einiger Überzeugungskunst für mein Anliegen gewinnen.“ Abfuhren erhielt er für sein Ansinnen kaum ‒ die Damen ließen sich meist bereitwillig nackt fotografieren. Jedes Modell trug später auf den Bildern seine Körpermaße ein, so konnte die mühselige Arbeit an den Plastiken beginnen. Baufachmann Münnich weiß natürlich, worauf es bei der Arbeit mit Beton und Co. ankommt. „Das Grundgerüst ist aus Stahl, dann kommt noch Blech oder Dachpappe drauf, anschließend wird Beton in die fertige Form gegossen.“ Wenn der ausgehärtet ist, wird mit dem Meißel alles Überflüssige abgetragen. „Mehrere Monate wiederholt sich dann alles ‒ neues Material aufbringen, aushärten lassen und wieder abtragen.“

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Während diese Skulpturen nur anhand von sorgfältig angefertigten Fotos entstanden, ging der Hobby-Bildhauer bei seiner „zweiten Serie“ ganz anders vor. Seine Modelle mussten dafür ganz tapfer sein. „Die Frauen habe ich mit Gipsbinden abgeformt, so entstanden zwei Hälften, die ich später mit Beton ausgoss und dann noch bearbeitete.“ Nicht jedem seiner Modelle bekam das Einwickeln mit Gipsbinden. Manchen wurde dabei wohl etwas schwindlig, denn: „Das lange Stehen oder Sitzen ist so dicht umwickelt nicht ganz ohne.“ Das direkte Abformen sieht Gerd Münnich nicht als Kunst, für ihn ist es eher ein Handwerk. Und das erinnerte ihn an seine ersten künstlerischen Jahre, denn bereits zu DDR-Zeiten formte er schon die Gesichter vieler Frauen ab. Weil sich das Atmen unter der Modelliermasse schwierig gestaltete, sorgte der Künstler damals mit Trinkhalmen dafür, dass die Frauen immer ausreichend Luft bekamen. 

Das Kapitel Bildhauerei hat Gerd Münnich mittlerweile abgeschlossen, seine letzte Plastik entstand im Jahre 2012. Auf seinem parkartigen Grundstück wäre zwar noch genug Platz, doch ob nun noch ein paar mehr dort stehen, spielt für ihn eigentlich keine Rolle. Ein kommerzielles Interesse hatte er ohnehin nie. „Nur einmal ließ ich mich erweichen und habe einen Torso als Auftragswerk hergestellt. Ein Mann wollte unbedingt eine Skulptur seiner Frau haben, da habe ich zugesagt.“ Die fertige Plastik steht heute in einem Garten in Markkleeberg bei Leipzig. Auch für seine Modelle blieb immer nur ein gemeinsames Foto neben „ihrer“ Skulptur. „Die Originale möchte ich einfach nicht weggeben.“ Etwas wehmütig wird ihm nur beim Gedanken an die Zukunft. „Ich weiß noch nicht, wo die Skulpturen nach meiner Zeit einmal stehen könnten. Wer hat schon dafür Platz?“